Nach vielen Sonnenscheintagen hat es über Nacht leicht geregnet, der Natur sehr willkommen.
Im ersten Morgenlicht schweben Dunstschwaden über der Wiese.
Die Luft ist wunderbar klar und frisch; der Geruch der Obstbaumblüten mischt sich mit dem Duft des gestern am Abend noch gemähten Grases.
Der Morgen ist erfüllt von Gezwitscher – und ich wünsche mir, die Stimmen einzeln zuordnen zu können.
Meine liebe Freundin Claudi hat mir einmal eine Vogelstimmen-CD geschenkt, die ich gerade einmal wieder auf dem Weg zur Schule im Auto höre.
Neben den Bekannten wie Zilp Zalp, Kohl- und Blaumeise oder Amsel weiß ich jetzt auch die Stimme des Zaunkönigs.
Da ich immer kleine Merkhilfen benötige, habe ich mir visualisiert, wie dieser süßer kleine Kerl mit seinem aufrechten Schwänzchen auf einer Holzlatte sitzt und (drrrrrrr!!) mit den Füßchen stampft.
Auch die Goldammer finde ich einprägsam – ihr Rufen endet für mich auf „I-A“, was seltsam sein mag, aber dennoch eine Eselsbrücke für mich ist, im wahrsten Sinne des Wortes…
(Übrigens hörte ich vor vielen Monaten einmal im Auto beim Starten des Motors ein ungewöhnliches Geräusch und dachte: Oh Schreck, da ist wohl etwas defekt…
Bis mir erleichtert einfiel, dass da gerade der Specht der Vogel-CD zu hören war…)
Das kleine Tal mit der Schafwiese und dem lichten Wäldchen scheint noch verschlafen; im Gras schimmern Tropfen; der Bach, neu gespeist, strömt gurgelnd.
Die Hunde schnüffeln neugierig, die Nasen schon ganz feucht; auf dem Weg spiegeln Pfützen den Himmel.
Ich stelle mir vor, wie hier einzelne Vögel zum Baden kommen, vorzugsweise etwas später, wenn die Sonne bereits wärmt, dankbar dafür, dass die kleinen „Schwimmbecken“ wieder aufgefüllt sind.
Einstweilen taucht Betti ihre Schnauze hinein.
Dort, wo an unserem Eingang vor wenigen Wochen noch Krokusse leuchteten, überwuchern nun die Knoblauchsrauken den Grund, während unterhalb der Birken erste Sternmieren wachsen, als fühlten sie sich dort beschützt und geborgen, wobei die cremeweiße Rinde so wunderbar mit der Farbe der Blüten harmoniert.
Weiße Blüten trägt nun auch der Bärlauch; wie feine Sternchen strahlend.
Auf dem Auto schimmern die Kirschblütenblättchen.
Ich pflanze einen Rhododendron ein, der zuvor am Eingang eines Supermarkts nahe meiner Schule als Ramschware stand.
Ich kaufe hier selten, aber nun war ich eben einmal da und sah ihn – so trocken und jämmerlich… Ich konnte ihn nicht einfach dort lassen.
Um genau zu sein, gab es zwei Rhododendren, einen lilafarbenen, den ich mitnahm, und einen pinken.
Als er nun bei uns, liebevoll gewässert natürlich, seinen Platz gefunden hatte, war ich sehr froh – und musste zugleich an den anderen denken, den ich zurückgelassen hatte.
„Warum hast du denn nicht beide gekauft?“ , fragte mein Mann.
Falls er nächste Woche noch da sein sollte, werde ich ihn auch mitnehmen, versprochen.
Am Nachmittag bricht die Sonne durch, Tropfenträumereien aufsaugend.
Wie herrlich, sich den Rücken wärmen zu lassen, das frische Blattwerk und die hellgrüne Wiese leuchten zu sehen.
Peterchen, der jüngste Kater, klettert über den Koppelzaun, voller Neugierde auf seine Welt.
Im feinen Abendwind wehen die Blüten von Obstbaumzweigen, ein Hauch von lautlosen Flocken.
Kater Pius, der seit längerem unter dem Apfelbaum unserer Nachbarn verharrt, unbeweglich versunken, wird umschwebt von Blütenblättern, als sei er die Hauptfigur in einer Schneekugel.
Es ist sommerlich warm. Wir holen die Schafe in unseren Garten, denn hier ist es schattiger. Und außerdem ist das Gras schön hoch gewachsen - und es scheint ihnen köstlich zu munden. Wie hübsch zudem die Gesichter aussehen, so tief in die Gänseblümchen und den Weißklee gesteckt! Da wo ein Schäfchen gerade grast, muss flugs auch ein anderes Mäulchen hin.
Ach, diese Zeit ist so wunderbar, so wohltuend. Wir sind, wenn es irgendwie geht, den ganzen Tag lang draußen. Genießen ein Erdbeermilchshake, ein Stück Rhabarberkuchen, einen Salat mit Wildkraut aus dem Garten. Ich liebe es wie immer, auf der Weide zu sitzen, den Ponys und Schafen nah. Auf einem Zaunpflock sitzt ein mächtiger Bussard - welch prachtvoller Greif!
Ach wie die Rosen duften... Ich tauche meine Nase in die weichen Blütenblätter und bin hingerissen. Und ein wenig dafür entschädigt, dass die violette Pracht der Glyzinie langsam vorbei ist. Nur schwer kann ich diesen zauberhaften Anblick loslassen, den unfassbar betörenden Geruch, der über dem Garten hing… Alles hat seine Zeit..
Die Nacht zum ersten Mai bricht an... Aus der Ferne sind Klänge von Musik zu vernehmen, und ich stelle mir vor, wie überall bei dem herrlich warmen Wetter die Menschen tanzen, trinken und einfach feiern. Wir sind zu Hause, genießen diesen unglaublich lauen Abend, eingetaucht in den süßlich-schweren Duft der Glyzinie, begleitet vom Geruch nach frisch gemähtem Gras - unsere Nachbarn machen zum ersten Mal Heu.
Kurz vor Ostern ziehen sie bei uns ein: Frida und Skelmir. Zwei liebe alte Isländer, die ihr liebes vorheriges Zuhause verlassen mussten und nun bei uns zusammenbleiben können. Ein Geschenk meines Mannes... Unsere Schafe teilen sich jetzt den Stall mit den beiden und träumen hier nachts Seite an Seite.
Jeder Tag ist ein Geschenk, so voller Wärme, sobald der Morgen die Nacht verabschiedet, so voller Blüten, Gezwitscher und Licht. Welch Lebensfreude! Ich kann mich an all den Blumen und knospenden Zweigen kaum stattsehen. Verzeihung für das Übermaß an den Blütenbildern dieses Mal... aber sind sie nicht alle wundervoll?



Hier ist er, mein kleiner Blog… und ich bin ein bisschen aufgeregt und gespannt, was sich ergeben wird mit diesem Anfang.
Eigentlich habe ich immer eher für mich selbst geschrieben – meine Gedanken, Gefühle notiert, in kleine Bücher, die ich irgendwo im sanften Sonnenlicht öffnete und einfach das in die Zeilen fließen ließ, was ich beobachtete, mich bewegte, beschäftigte… vor allem draußen in der Natur, in unserem Garten. Dort finde ich innere Ruhe, tanke auf, spüre all das, was mich umgibt, ganz intensiv, auch mich.
Neben dem Schreiben liebe ich es, zu fotografieren. Schon als Kind habe ich durch den Sucher geschaut – und weniger gesucht, als gefunden… Ich mag es sehr, Stimmungen einzufangen, die kleinen, feinen Augenblicke, so kostbar. Das wundersame Aufblitzen eines Eiskristalls, der Schimmer des Morgenlichts auf dem gefrorenen Teich, das überwinternde Zusammenrücken einer Gruppe Marienkäfer in unserem Gartenhaus. Es ist für mich immer wieder ein kleines Wunder, diese Ausschnitte zu entdecken, festzuhalten – mit der Kamera, vor allem im Herzen.
Und irgendwann dachte ich – warum nicht andere teilhaben lassen? Vielleicht erfreuen sich Betrachter an den Bildern, Worten… und wenn ich Glück habe, springt ein feiner Funken über.. und für einen Moment ist eine Verbindung da, ein geteilter Gedanke, ein berührendes Fühlen.
Ich habe diesen Blog „Wo sich Fuchs und Hase…“ genannt… nach dem bekannten Spruch „Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen“ – vor dem Hintergrund, dass ich auf dem Land lebe, mit meinem Mann, unseren Tieren, zwischen zwei Bauernhöfen. In unserer Zufahrtsstraße gibt es glücklicherweise keine Straßenbeleuchtung; hier sehen wir im Dunkeln in einer klaren Nacht noch wundervoll die Sterne und den Mond…und tatsächlich huscht immer einmal wieder auf leisen Sohlen ein Fuchs vorbei.
Mit etwas Glück beobachten wir Feldhasen und Kaninchen, leider viel zu wenige, die auf der Wiese nach Nahrung suchen. In meiner Vorstellung – wider besseren Wissens natürlich – leben sie in friedlicher Koexistenz; aber für einen Moment darf man ja träumen.
Auf jeden Fall erscheint mir unser Zuhause hier als eine kleine Zuflucht, etwas abgeschieden vom Rest der Welt, friedlich, ruhig, mit Unterschlupfmöglichkeiten für Wildtiere und dem Heim für uns und unsere Hunde und Katzen, mit denen wir wohnen, voller Dankbarkeit und Freude.
Vielleicht, vielleicht findest gerade einen Augenblick der Ruhe in diesem Blog, möchtest teilhaben an meinen Bildern und Worten zu meinem Erleben dieser kleinen eigenen Welt auf dem Land im Wechsel der Jahreszeiten – und spürst selbst ein bisschen Seelenfrieden, Kraft im Alltag, auch Inspiration. Das wünsche ich mir.