Hornveilchen und Narzissen – und eine Schnecke mit Haus

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Oh, so sehr genieße ich diese Zeit – voller Freiheit und Frühlingsgefühle.

Am frühen Morgen zeigt sich die Natur noch dunstig-verträumt, doch die Wärme, die der Tag bringen wird, ist bereits zu erahnen.

Als ich die Stufen hinab gehe, sehe ich eine Schnecke mit Haus, die in ihrem ureigenen Tempo gleichmäßig einen Stein hinab kriecht, die Fühler weit ausgestreckt.

Über uns singt ein Zilp Zalp sein bekanntes Lied.

 

Die Schafwiese, an deren Grenze der Bach sanft murmelnd vorbei fließt,  glitzert taunass.

Die cremefarbenen Blüten eines einzelnen Obstbaumes schimmern vor dem lichten Wald, neben dem am Horizont gerade die Kühe aufstehen.

Die Collies toben durch das hellgrün schimmernde Wäldchen, vorbei an dichten Bärlauchbüscheln – noch vor Kurzem war der Pfad schneebedeckt.

Auf dem Rückweg achte ich auf die Schnecke von vorhin. Ich muss nicht lange suchen. Sie hängt unter einem Felsvorsprung, ruht dort in schattiger Kühle.

 

Am Mittag möchte ich ein bisschen im Garten werkeln.

Wir haben die Pflanzen, die in unserer Waschküche den Frost überdauert haben, gestern nach draußen gebracht. Unter ihnen ein kleines Nektarinenstämmchen, das auf einen passenden Platz im Garten wartet. Nun strecken sie alle ihre Zweige mit neuen Blättchen hoch, regenfeucht vom nächtlichen Regen, unerwartet.

Ich freue mich mit ihnen über das Draußen-sein-Können, stelle mir vor, wie sie endlich wieder Sonnenlicht fühlen und sanfte Tropfen auf ihren Blättern.

 

Schon länger wartet ein neuer Topf darauf, bepflanzt zu werden.

Ich hole einen Eimer für die Erde aus dem Schuppen, und bemerke erneut einige Schmetterlinge, die hier überwintert haben.

Ich öffne das Fenster und lasse die Türe offen stehen.

Einer von ihnen krabbelt direkt zur Schwelle, vermutlich vom sanft spürbaren Windhauch angezogen.

Er zieht sich langsam hoch, überwindet das Holzstück und erreicht das Vorpflaster, dann das Gras.

Oh wie ich mit ihm fühle – erstmalig die milde Frischluft atmen!

Noch einmal ein Blick ins Häuschen – hier machen sich weitere Tagpfauenaugen auf, um ihr Quartier zu verlassen.

Nur einer von ihnen sitzt weiter am Fenster, den Luftzug fühlend – doch er findet den Weg nicht hinaus.

Ich werde später noch einmal nachsehen.

Mein Pflanzvorhaben gelingt mir nicht richtig, obwohl ich mich darauf gefreut hatte.

-  Ich habe wider Erwarten keine Blumenerde. Und es sind auch keine Maulwurfhügel da, an denen ich mich sonst bediene.

-  Ich habe das Gefühl, die zarten Hornveilchen zu sehr zu drücken. Sie halten nicht richtig im Topf.

- Ständig fallen mir die Haare ins Gesicht - ich habe vergessen, sie vorher zusammenzubinden.

- Ich hole mit der Gießkanne Wasser am Teich, bemerke: sie ist undicht geworden. Ein feiner Strahl läuft mir auf die Schuhe.

-  Ich trete in in tiefes Erdloch, mein Gartenschuh verschwindet darin. Mit einem Arm ertaste ich ihn und hole ihn zurück

nach oben... (Wer bitte wohnt hierin?)

-  Ich rupfe zwischendurch wuchernden Waldmeister. Ich setze eine Christrose um. Ich habe das Gefühl, mich zu verzetteln.

- Ich stoße mir das Schienbein an der Liege.

Aber mal ehrlich - es gibt solche Tage, und richtig schlimm ist das alles nicht.

Schließlich bin ich fertig, auch wenn ich ständig im Kopf habe: du musst noch dies tun... und jenes...

Und dann denke ich an die Schnecke, an ihr gleichmäßiges ruhiges Hinuntergleiten...

Und dieses Bild beruhigt mich.

 

Ein Gang durch den Garten, den Rücken gestreckt.

Ich schaue nach den Kröten im Teich, halte Ausschau nach Luftblasen - und entdecke einen Molch.

Um ihn zu fotografieren, muss ich meine Schuhe ausziehen und mich in die Flachwasserzone stellen.

Kühl, aber nicht unangenehm umspielt das Wasser meine Füße.

 

Ich erinnere mich, wie ich vor vielen vielen Jahren einmal meine Freundin Andrea besucht habe und mit ihr bei herrlichem Wetter an ihrem wunderbaren Teich auf einem Holzsteg saß, die Füße im Wasser baumelnd.

So überbrückten wir die Zeit zwischen der Schule und einer Fortbildung - und kosteten diesen Moment bis zuletzt aus.

Als wir später den Raum der Veranstaltung betraten, war direkt klar: wir sind viel zu spät -wir hatten uns in der Uhrzeit vertan!

Auch wenn uns dies anfangs sehr unangenehm war muss ich rückblickend sagen: Diese eine Stunde mehr, die wir zuvor so frei im Sonnenschein statt unter Neonröhren eingepfercht verbracht hatten, war ein Geschenk.

Bis heute denken wir beide daran.

 

Während die Rotbuche noch kahl am Teichrand steht, zeigt sich die Sauerkirsche wundervoll blühend im Hintergrund - auf dem Wasser ihr cremefarbenes Spiegelbild leuchtend.

Wie herrlich, als meine nassen Füße die Steine der Teichumrandung fühlen - unerwartet warm.

Zurück bleibt ein dunkler Fußabdruck, für einen kurzen Augenblick, bevor ihn die Sonne aufsaugt.

 

Unsere Kater  tollen in der Nähe, lauern sich auf, springen sich an - bis Paul genug hat und sich auf die Holzbank legt, die Augen schließt. Später zieht er um in den Blumentopf, wo er im Schatten ein Schläfchen macht.

Ich räume die Gartenutensilien auf, werfe Betti ihre Frisbee-Scheibe, gieße die restlichen Blümchen (-mit einer anderen Gießkanne).

Der Huflattich verblüht - seine hängenden Köpfchen erinnern mich an Straßenlaternen, seine Samen an Pusteblumen.

Ich habe den Eindruck, dass die Hornveilchen nun wieder besser aussehen; das Wasser hat ihnen gut getan.

Und ich schaue im Gartenhaus nach. Noch immer sitzt der Schmetterling vor der Fensterscheibe.

Ich sehe mich kurz um, finde ein Stöckchen und halte es ihm vor die Füßchen. Und tatsächlich klettert er darauf, lässt sich tragen - oh bitte bleib sitzen! - ja, er bleibt...

Ich ziehe den Kopf ein, komme mit ihm durch die Tür nach draußen, und ohne noch einen Moment auch nur zu warten, fliegt er los, ins helle Frühlingssonnenlicht.

Notiz am Rande

Geht es Dir auch manchmal so...? Du hast das Gefühl, so viel erledigen zu wollen oder müssen... und fängst dies an, jenes - oder gar nichts richtig... Du findest Deinen Rhythmus nicht? Lass den Perfektionismus los... Wenn es jetzt nicht klappt, dann ein anderes Mal. Und denke an die Schnecke... ihre stille Gleichmäßigkeit ohne Hast - und finde Ruhe in Dir selbst.
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Hier ist er, mein kleiner Blog… und ich bin ein bisschen aufgeregt und gespannt, was sich ergeben wird mit diesem Anfang.

Eigentlich habe ich immer eher für mich selbst geschrieben – meine Gedanken, Gefühle notiert, in kleine Bücher, die ich irgendwo im sanften Sonnenlicht öffnete und einfach das in die Zeilen fließen ließ, was ich beobachtete, mich bewegte, beschäftigte… vor allem draußen in der Natur, in unserem Garten. Dort finde ich innere Ruhe, tanke auf, spüre all das, was mich umgibt, ganz intensiv, auch mich.

Neben dem Schreiben liebe ich es, zu fotografieren. Schon als Kind habe ich durch den Sucher geschaut – und weniger gesucht, als gefunden… Ich mag es sehr, Stimmungen einzufangen, die kleinen, feinen Augenblicke, so kostbar. Das wundersame Aufblitzen eines Eiskristalls, der Schimmer des Morgenlichts auf dem gefrorenen Teich, das überwinternde Zusammenrücken einer Gruppe Marienkäfer in unserem Gartenhaus. Es ist für mich immer wieder ein kleines Wunder, diese Ausschnitte zu entdecken, festzuhalten – mit der Kamera, vor allem im Herzen.

Und irgendwann dachte ich – warum nicht andere teilhaben lassen? Vielleicht erfreuen sich Betrachter an den Bildern, Worten… und wenn ich Glück habe, springt ein feiner Funken über.. und für einen Moment ist eine Verbindung da, ein geteilter Gedanke, ein berührendes Fühlen.

Ich habe diesen Blog „Wo sich Fuchs und Hase…“ genannt… nach dem bekannten Spruch „Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen“ – vor dem Hintergrund, dass ich auf dem Land lebe, mit meinem Mann, unseren Tieren, zwischen zwei Bauernhöfen. In unserer Zufahrtsstraße gibt es glücklicherweise keine Straßenbeleuchtung; hier sehen wir im Dunkeln in einer klaren Nacht noch wundervoll die Sterne und den Mond…und tatsächlich huscht immer einmal wieder auf leisen Sohlen ein Fuchs vorbei.

Mit etwas Glück beobachten wir Feldhasen und Kaninchen, leider viel zu wenige, die auf der Wiese nach Nahrung suchen. In meiner Vorstellung – wider besseren Wissens natürlich – leben sie in friedlicher Koexistenz; aber für einen Moment darf man ja träumen.

Auf jeden Fall erscheint mir unser Zuhause hier als eine kleine Zuflucht, etwas abgeschieden vom Rest der Welt, friedlich, ruhig, mit Unterschlupfmöglichkeiten für Wildtiere und dem Heim für uns und unsere Hunde und Katzen, mit denen wir wohnen, voller Dankbarkeit und Freude.

Vielleicht, vielleicht findest gerade einen Augenblick der Ruhe in diesem Blog, möchtest teilhaben an meinen Bildern und Worten zu meinem Erleben dieser kleinen eigenen Welt auf dem Land im Wechsel der Jahreszeiten – und spürst selbst ein bisschen Seelenfrieden, Kraft im Alltag, auch Inspiration. Das wünsche ich mir.